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Chronik

Das heutige Landespflege- und Betreuungszentrum Schloss Cumberland hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Ein historischer Raum im Schloss Cumberland
Quelle: LPBZ Schloss Cumberland

Historischer Raum

 

Die Herzöge von Cumberland, zu Braunschweig und Lüneburg

Im Konflikt zwischen Österreich und Preußen im Frühjahr 1866 stellte sich Hannover auf die Seite Österreichs.

Nach der Kapitulation von Langensalza am 29. Juni 1866 erhielten König Georg V. von Hannover und der Kronprinz Ernst August die Erlaubnis, ihren Wohnsitz außerhalb Hannovers zu nehmen, wo es ihnen beliebe. Aus Dankbarkeit für ihre Treue nahm sie Kaiser Franz Josef I. ins Exil nach Österreich.

Im Jahre 1868 kam die königliche Familie: König Georg V., Königin Marie mit den Kindern Kronprinz Ernst August, Prinzessin Friederike und Prinzessin Mary nach Gmunden in die Villa Thun.

Kronprinz Ernst August, der unter Wahrung seiner Rechte auf das Königreich Hannover 1878 den Titel eines Herzogs von Cumberland annahm, begann im Jahre 1882 mit dem Bau des Schlosses Cumberland auf einer Anhöhe nördlich von Gmunden.

Der Herzogtitel "Cumberland" ist nach einer bergigen und seenreichen Grafschaft von England benannt. Ernst August von Cumberland, der im Schloss vom Jahre 1886 bis 1923 residierte, der auch die Titel Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg führte, wahrte nach dem Tode seines Vaters, Georg V., in einem Schreiben vom 11. Juli 1878 seine Rechte auf das Königreich Hannover und erklärte, bis zu deren Verwirklichung den Titel eines Herzogs von Cumberland und zu Braunschweig und Lüneburg mit dem Prädikat "Königlicher Hoheit" zu führen.

Das Schloss Cumberland hatte auch den unschätzbaren Welfenschatz beherbergt, der in der Panzerkammer im Schloss und im Nebentrakt, dem Bibliotheksgebäude, verwahrt wurde.
Das Schloss ging nach dem 2. Weltkrieg in den Besitz der einzigen Tochter des letzten Herzogspaares auf Schloss Cumberland, Herzog Ernst August und Herzogin Viktoria Luise, der Königin Friederike von Griechenland, über.

Die letzte Besitzerin war also die Urenkelin Georg V., des blinden Königs von Hannover, des letzten Regenten Hannovers und die Enkelin Wilhelm II., des letzten deutschen Kaisers und ist die Mutter des emigrierten Königs von Griechenland, Konstantin, der mit seiner Gemahlin, der Dänischen Königstochter Anna Maria, und seinen Kindern im Exil lebt (Rom, England).
Der letzte regierende Fürst auf dem zweitausendjährigen Geschlecht der Welfen, Herzog Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg, wurde bereits 1953 in Hannover bestattet. Sein Sohn und heutiger Chef des Hauses, Ernst August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, war verheiratet mit Prinzessin Ortrud von Schleswig-Holstein (gest. 1983) und zählt zu den treuen Gästen Gmundens, wo er die Königinvilla in der Nähe des Schlosses im Sommer bewohnt.

Geschichte der Erbauung des Welfenschlosses Cumberland

Baubeginn: 15. Juni 1882

Einzug: 15. September 1886

Vorgeschichte:

Am 2. Oktober 1866 erfolgte die preußische Besitzergreifung des Königreiches Hannover.

Am 2. Oktober 1867 trat in dem alten Welfenlande die preußische Verfassung in Kraft.

Der König von Hannover, Georg V., war durch diese Ereignisse zu einem länderlosen Flüchtling geworden, der auf die Gastfreundschaft seiner Verwandten und befreundeten Fürsten angewiesen war.

Zu dieser Zeit, Frühjahr 1868, kam die königliche Familie, wie der kaiserliche Hof in Wien, ebenfalls auf Kur in das Salzkammergut.
Sie nahm Aufenthalt in der Villa Redtenbacher bei Gmunden. Der heutige noch herzogliche Besitz, bekannt unter dem Namen Königinvilla, ist in unmittelbarer Nähe des Schlosses gelegen.

 

Am 15.9.1886 wurde das neuerbaute Schloss Cumberland bezogen.

Die Kapelle und das Prinzenstöckl (heute Bibliotheksgebäude) wurden einige Jahre später errichtet.

Im Jahre 1930 erfolgte die Umwandlung des Schlosses in ein Welfisches Haus- und Familienmuseum.
Im Jahre 1938 wurde von den Nationalsozialisten das Schloss in eine Gauschulungsburg umgewidmet.

Von 1940 bis 1945 diente das Schloss als Kriegslazarett.

Die Landessanitätsbehörde hatte im Anschluss daran von 1945 bis 1947 im Schloss eine TBC-Station eingerichtet.

Das Sozialministerium in Wien hatte nämlich die Obsorge für die Militärlazarette der Landessanitätsdirektion übertragen.

Es befanden sich damals etwa 160 schwer TBC-kranke, kriegsversehrte ehemalige Soldaten im Schloss sowie heimatlose und wohnungslose Zivilisten, die anderswo nicht untergebracht werden konnten.

Das Sozialministerium verlangte aber trotzdem die Auflösung der TBC-Station mit dem Hinweis, dass dieses Schloss für diesen Zweck nicht geeignet sei und der Kurort Gmunden eine Gefährdung des Fremdenverkehrs befürchte.

Die amerikanische Militärregierung erhob jedoch gegen eine Auflösung des TBC-Krankenhauses Einspruch mit der Begründung, dass die vorhandenen Krankenhäuser den Bedarf an TBC-Krankenbetten nicht decken könnten.

Der Träger des Krankenhauses Schloss Cumberland stand damals nicht fest, da Vereinbarungen über die Trägerschaft nicht zustande kamen.

Mit Regierungssitzungsbeschluss vom 18.8.1947 wurde das TBC-Krankenhaus Riesenhof in Urfahr bei Linz in das "Herzog von Braunschweig und Lüneburg´sche Schloss Cumberland" verlegt. Es handelte sich um eine vorläufige Notlösung, da die Errichtung einer TBC-Heilstätte in Oberösterreich nach Maßgabe der finanziellen Mittel und Möglichkeiten von der Oö. Landesregierung beschlossen worden war.

Vom Jahre 1947 bis 5.7.1972 diente das Schloss als TBC-Krankenhaus mit Öffentlichkeitsrecht.

Am 4. und 5.7.1972 wurden die Patienten in die neuerbaute Lungenabteilung des Landeskrankenhauses Steyr verlegt.

Nach einer gründlichen Desinfektion des Gebäudes wurde auf Grund eines Regierungssitzungsbeschlusses der Oö. Landesregierung das Schloss in eine Landes-Pflegeanstalt umgewidmet, wie bereits zwei bestanden haben (Schloss Haus in der Gemeinde Wartberg ob der Aist im Mühlviertel und Christkindl bei Steyr, das vom Landeskrankenhaus Steyr mitverwaltet wurde).

Am 8.1.1973 wurde offiziell der Pflegebetrieb aufgenommen.

Am 1.1.1979 ist die gesamte Liegenschaft Schloss Cumberland durch Kauf in Landesbesitz übergegangen, nachdem schon seit 1973 laufend große Ausbau- und Erneuerungsarbeiten im Ausmaß von mehr als 5 Millionen Schilling durch das Land Oberösterreich durchgeführt worden waren.

 

Baubeschreibung

Erdgeschosse:
Roter Marmorstein aus Ebensee.

Tür- und Fenstereinfassungen:
Granit von Schärding am Inn.

Gesimse bis zum Sockelabschluss:
Granit von Schärding am Inn.

Fassaden vom Sockelgesimse aufwärts:
Sandsteinverblendung.

Material:
aus den Sandsteinbrüchen bei Abbach oberhalb von Regensburg (grüner Sandstein).

Westlicher Schlossflügel:
Eichenholzriegelbau.

Ausmauerung:
ursprünglich Sandstein aus Joumont bei Metz (gelbbraun).

Eingangshalle:
Kreuzgewölbe zwischen Gurt- und Spitzbögen.

Haupttreppe:
mit Kreuzwölben zwischen Gurt- und Schildbogen überspannt, polierte Marmorsäulen, dunkelbraun, Kapitele und Basen in hellgrauem Marmor aus Villach/Kärnten.
Haupttreppe aus Stein, Stufen aus grauem Sandstein, grüner Sandstein aus Abbach bei Regensburg. Gelbbrauner Sandstein aus Jourmont bei Metz.

Kapelle:
gotische dreischiffige Anlage.
Kreuzgewölbe zwischen Gurt- und Schildbögen.
Vier freistehende Säulen, graue Sandsteinrippen in ihren Kreuzungen mit Schlusssteinen versehen, kräftige Sockeln aus Ebenseer Marmor, hellgrauer Marmor aus Villach, dunkelbraune Schafte mit Mittelbunden aus poliertem Untersberger Marmor.
Baubeschreibung des Schlosses Seiner Königl. Hoheit des Herzogs von Cumberland, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg.

 

In einer Entfernung von etwa 20 Minuten östlich von Gmunden ist das Schloss auf einem langgestreckten Bergrücken erbaut, welcher sich 78 m über dem Traunsee und 30 m über dem davor liegenden Krottensee erhebt.

Durch die isolierte Lage des Schlosses ist es von den oberen Stockwerken aus möglich, ein herrliches Panorama der Alpen Oberösterreichs zu übersehen, während nach der entgegengesetzten Richtung das flache Hügelland mit stellenweise prächtigem Waldbestande dem Auge sich darbietet.

Historische Bibliothek mit Galerie
Quelle: LPBZ Schloss Cumberland

Bibliothek

 

Abschrift aus „DER SONNTAG“ Braunschweiger Neueste Nachrichten vom 14.9.1930

Das Ferne Schloss des Hauses Braunschweig

Am Traunsee im österreichischen Salzkammergut, einem der schönsten Flecke der Erde, liegt das Schloss der Welfen. Gemessen an der Jahrhunderte alten Geschichte des Hauses Braunschweig-Lüneburg ist es erst eine kurze Spanne Zeit, dass dieses Schloss vor nunmehr 50 Jahren von Ernst August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, gebaut wurde. Viele Braunschweiger hatten im Juni dieses Jahres Gelegenheit, das Schloss mit seinen zahlreichen Erinnerungen an die Geschichte des Hauses Braunschweig zu besichtigen. Das Schloss erfüllt heute die Aufgaben eines Museums, Herzog Ernst August selbst wohnt mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe des Schlosses in der ebenfalls herrlich gelegenen Villa Weinberg.

Es sind nunmehr genau 50 Jahre vergangen, seitdem oberhalb des herrlichen Traunsees im österreichischen Salzkammergut der Grundstein zu dem Gmundner Welfenschlosse gelegt worden ist. Der Erbauer war Ernst August, der Sohn Georgs V., der den Titel eines Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg angenommen hatte, und im Exil, allerdings an einer paradiesisch schönen Stelle, erstand nach 6jähriger Bauzeit ein neues Heim für die vom Schicksal heimgesuchte frühere hannoversche Königsfamilie. Dort liefen dann die Fäden zusammen, die trotz Einbüße der Krone das Welfenhaus noch immer mit fast allen europäischen Höfen verband, und mancher erlauchte Besucher hat im Laufe der Jahrzehnte vor dem Weltkriege im Schlosse zu Gmunden fürstliche Gastfreundschaft genossen.

Es war eine vornehme Einsamkeit, und doch gingen die Ströme der großen Welt hindurch. Inzwischen lösten sich die Generationen ab. Der Krieg kam und warf seine Schatten auch auf diese Stätte, die nur dem Frieden geweiht zu sein schien. Im Jahre 1923 war der alte Herzog Ernst August dahingeschieden und die Hofhaltung verringerte sich, nicht zuletzt wirtschaftlichen Erwägungen nachgebend. Nicht allein die heute 75jährige Herzogin Thyra bevorzugte immer mehr die Zurückgezogenheit – auch im Wesen ihres Sohnes lag es keineswegs, irgendwelchen Aufwand zu treiben, und so übersiedelte auch der Herzog Ernst August, der letzte regierende Herzog in Braunschweig, mit seiner Familie in ein kleines Gebäude, der Villa seiner Großmutter Maria, der letzten Königin von Hannover, das, in malerischer Parkromantik versteckt, dem Schlosse benachbart ist. Sicherlich wird der prinzliche Nachwuchs mit diesem Quartierwechsel einverstanden gewesen sein, denn Kinder treiben ihre Spiele lieber unbehelligt von der Öffentlichkeit.

Im Laufe des Jahres 1930 ist nun die Umwandlung des freigewordenen Gmundner Schlosses in ein Welfisches Haus- und Familienmuseum vollendet worden. Der gotisch-schwedische Baustil des von dem hannoverschen Architekten Schorbach entworfenen und von dem Hofbaurat Rundspaden auf einem etwa 80 m hohen Bergrücken errichteten Schlosses kam der neuen musealen Bestimmung durchaus entgegen, denn es enthielt die nötigen großen und repräsentativen Räumlichkeiten, die sich besonders gut für Schauzwecke eignen. In der Eingangshalle fallen dem Eintretenden sofort die Waffen der königlich hannoverschen Armee aus der Zeit um 1866 auf. In dem Vestibül setzt sich die Sammlung fort; hinzu kommen Waffen englischen und orientalischen Ursprungs. In dem neben dem Vestibül gelegenen Einschreibzimmer bilden Porträts von hannoverschen Hofbeamten und Offizieren den Schmuck. Das Stiegenhaus birgt wertvolle Rüstungen.

Im 1. Stock enthält die sog. Jagdhalle prächtige jagdliche Trophäen des Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, sowie orientalische Waffen, deren Herkunft bis in das 13. Jahrhundert zurück geht. An der Südwand ist ein gotischer Bibliotheksschrank bemerkenswert; es ist ein Geschenk des dänischen Landes zur Vermählung des Herzogs Ernst August mit der Prinzessin Thyra am 21.12.1878. Von dem Jagdsaale gelangt man in die bis zum 2. Stock reichende große Halle, die regelmäßig als Versammlungsraum oder für besondere festliche Gelegenheiten benutzt wurde. Ein Säulengang mit Doppelspitzbogen trennt Carl de Bouché nach Merianischen Stichen geschmückt und haben als Motive die für das Welfenhaus bedeutsamen Stätten: Ravensburg, Braunschweig, Lüneburg, Regensburg, München, Hannover und London. Der Geschichtskenner erinnert sich, dass Ravensburg der Stammsitz der Welfen in Schwaben und Geburtshaus des Löwen war, der in Regensburg mit dem Herzogtum von Bayern belehnt worden ist. An den fensterlosen Längsseiten und der südlichen Querwand befinden sich 10 vom Düsseldorfer Maler Klein angefertigte Wandgemälde, die wichtige Ereignisse aus der Geschichte des Welfenhauses darstellen. Die Reihe beginnt 1139 mit dem 10jährigen Heinrich von Löwen und endet 1701 mit der Überreichung der englischen Sukzessionsakte an die Kurfürstin Sophie von Hannover. Als figürlichen Schmuck besitzt die Halle die lebensgroßen Standbilder Heinrichs des Löwen und des Kurfürsten Ernst August, bearbeitet von dem Bildhauer Heinrich Natter, der in Gmunden wohnte und starb. Die Marmorbüsten des letzten hannoverschen Königs Georg V., sowie der Prinzessin Mary und Friederike wurden vom Bildhauer David geschaffen. Die weiblichen Besucher werden von Möbelstücken angezogen, denn diese sind mit Wappenstickereien aus der Hand der Herzogin Thyra und ihrer Hofdamen geschmückt.

An die Halle schließt das Esszimmer an. Sein Glanzstück ist ein silberner Tafelaufsatz, der von den Hannoveranern im Jahre 1868 dem Königspaare als Geschenk zur Silbernen Hochzeit dargebracht wurde. Es handelt sich um ein springendes Pferd auf hohem Sockel. Durch den anstoßenden Bibliotheksraum, in dem Bilder der Schlösser Ravensburg, Celle und Schwerin hängen, erreicht man das mit zahlreichen Ölporträts von Stieler, F. A. von Kaulbach, Krüger und anderen Malern ausgestattete Musikzimmer. In dem Salon der Herzogin Thyra sticht hervor ein großer Prachtkamin aus der kaiserlich russischen Porzellanmanufaktur, ein Geschenk der Großfürstin Konstantin, einer Schwester der Königin Marie von Hannover. Im Vorzimmer des Herzogs Ernst August interessieren die Bildnisse des Herzogs Albrecht, des Siegers von Custozza (1866) und des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzogs Wilhelm, Generalinspekteur der Artillerie. Weiter ist wieder der am Hofe sehr geschätzte Porträtmaler F. A. von Kaulbach mit einem großen Ölbilde der Herzogin Thyra vertreten.

Merkwürdig ist hier das Konterfei eines Bettelmönches aus Venedig; es wurde im Auftrage des Herzogs Wilhelm von Braunschweig gemalt, der den Mönch wegen seiner Schlagfertigkeit und seines Witzes schätzte. Besonders reich an Erinnerungsstücken (Ölbilder und Photographien) ist das unveränderte Arbeitszimmer des Herzogs Ernst August. Eine Darstellung der Schlacht bei Langensalza, gemalt von Boddien, gibt den Augenblick wider, in dem die Cambridge-Dragoner eine preußische Batterie erobern; der an ihr befindliche Rittmeister von Einem stirbt den Heldentod.

Die unendliche Zahl von Porträts gibt dem Inneren des Schlosses eine besondere Note. Überschreitet man im 2. Stock den Vorplatz, so grüßen von den Wänden weitere Bildnisse von Hannoverschen Ministern und Hofbeamten, u.a. befindet sich der berühmte Zentrumsführer Windthorst darunter. Liebhaber von aparten Möbelausstattungen werden mit Entzücken sich in dem kleinen und dem großen Rosenholzzimmer umsehen. Das daneben befindliche Chinesische Zimmer stammt aus der Erbschaft des Herzogs Wilhelm von Braunschweig und befand sich ursprünglich in dem Palais in Hietzing. Ölbilder des Königs Ernst August und Kronprinzen Georg beleben das angrenzende blaue Schlafzimmer, während das Vorzimmer mit Aquarellen Hannoverscher Domänen behängt ist. Selbst ein schmaler Gang ist ausgenutzt, man erblickt dort ein militärisches Paradebild, 1858 von Tunica gemalt; es stellt dar, wie Herzog Wilhelm bei Nordstemmen dem König Georg das Hannoversche Gardekürassierregiment vorführt.

Auf dem Gange im 3. Stock haftet der Blick auf einem Ölbilde der Kaiserin Elisabeth-Christine, Gemahlin Kaiser Karl VI.; sie war die Mutter von Maria Theresia. Der Besucher betritt nunmehr 3 Räume, die fürstlichen Gästen als Unterkunft gedient haben. Ein Salon ist bemerkenswert wegen seiner Bilder aus der dänischen Königsfamilie. Der Bezug eines Sessels wurde von der Königin Karoline Mathilde von Dänemark, Schwester von König Georg III. von England, in den Jahren 1773 bis 1775 gestickt. Hier ist auch der Tafelaufsatz aufbewahrt, der dem Herzogspaare Ernst August und Victoria Luise von den Hannoveranern anlässlich der Vermählung (24.5.1913) zum Geschenk gemacht wurde. Auf vergoldetem Tisch mit Marmorplatte erhebt sich die Nachbildung des Königs Ernst August-Denkmals zu Hannover in Silber.

Von historischem Wert ist mancher andere Gegenstand aus der Silberkammer. In dem folgenden Zimmer sind es dann weniger die Bildnisse russischer und badischer Fürstlichkeiten, vor denen der Besucher aus Braunschweig verweilt, vielmehr ist es ein Gemälde der Taufe des Erbprinzen Ernst August im Dom zu Braunschweig am 9.5.1914 gemalt von Professor Schöbel, das in erster Linie wegen der abgebildeten prominenten Teilnehmer, darunter das Deutsche Kaiserpaar, den Betrachter fesselt. Von Braunschweiger Geistlichen entdeckt man in der Nähe des Täuflings den verstorbenen Stadtsuperintendenten Degering, Pastor Brakebusch, Pastor Krenge u.s.w.

Unser Rundgang endet auf dem Vorplatz des 3. Stockes, wo einige recht gute Bildnisse von Fürstlichkeiten des Hauses Braunschweig-Wolfenbüttel die stattliche Gemäldegalerie des Schlosses vervollständigen.

Ehe wir das Schloss verlassen, genießen unsere Augen in vollen Zügen noch einmal den wundervollen Rundblick über Gmunden mit dem Traunsee, Traunstein, dem Toten Gebirge im Süden und dem Höllengebirge im Westen.

Pietätvoll nimmt der Besucher, dem vom Hofsekretär Hellwage die liebenswürdigste Führung zuteil wird, und dem der Verfasser dieser Beschreibung aufschlussreiche Angaben verdankt, Abschied vom Mausoleum des Schlosses, wo die Königin Marie, Prinzessin Mary, die Prinzen Christian († 1901) und Georg Wilhelm (†1912) sowie der Herzog von Cumberland († 1923) ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Kurt Meyer-Rotermund
Abgeschrieben am 21.7.1976